Ein Kanton
ist elektrisiert.

Basel-Stadt – ein Kanton bekennt sich zum Klimaschutz

Basel-Stadt heißt der Kanton im Schweizer Nordwesten, der an Frankreich und Deutschland grenzt und im Wesentlichen – der Name führt nicht in die Irre – aus der Stadt Basel besteht. Und zweifelsohne kann man sagen, dass Basel-Stadt ein Vorreiter beim Thema Elektromobilität ist. Bereits 2019 wurden die ersten vollelektrischen Polizeiautos angeschafft und auch Dienstfahrzeuge anderer Behörden greifen auf den E-Antrieb zurück. Das Bekenntnis zum Klimaschutz ist mehr als deutlich, denn der Kanton sieht einen alternativen Antrieb bei der Neuanschaffung vor, sofern nicht gewichtige Gründe dagegensprechen. Und gewichtiger Grund ist im Prinzip nur: Die Tauglichkeit eines Fahrzeugs darf durch den Verzicht auf konventionelle Antriebe nicht eingeschränkt sein. Blaulichtorganisationen mit ihren besonders großen und schweren Fahrzeugen fallen einem da typischerweise als Exempel für eine Ausnahme ein. Als es 2019 um die Anschaffung neuer Einsatzfahrzeuge ging, überlegte sich die Basler Berufsfeuerwehr jedoch nicht, was eventuell schwierig werden würde, sondern schaute gezielt darauf, was künftig gebraucht werde - und landete dadurch ganz von allein beim E-Antrieb.

Der Weg zu neuen Fahrzeugen

Vor rund fünf Jahren wurde mit der Ausarbeitung einer Fahrzeugstrategie begonnen. In der Folge wurde der Bedarf ermittelt, mit Mitarbeitenden gesprochen und sogar andere Feuerwehren auf der ganzen Welt befragt. „Das mündete dann 2020 in eine konkrete Zieldefinition“, erklärt Hauptmann Kai Ullwer. Der 42-Jährige, der nördlich der Grenze, auf halbem Weg von Basel nach Freiburg, aufgewachsen ist, begann seine Karriere im Rettungsdienst beim Deutschen Roten Kreuz. Danach absolvierte er mehrere fachspezifische Studiengänge, wechselte später zur Feuerwehr und stieß just zur Berufsfeuerwehr Basel, als man dort begann, in die Zukunft des Fuhrparks zu schauen. Der heutige Leiter des Ressorts für Betrieb und Projekte kann deshalb gut erklären, worauf es dabei ankam: „Erstens Baugleichheit, damit einem verschiedene Fahrzeuge keine Rätsel aufgeben. Zweitens Modernität beim Thema Bedienung, Kommunikation und Emissionsbelastung. Und drittens sollte das Fahrzeug für alle unsere Zwecke einsetzbar sein – wir haben hier Industrie, Schiffe, urbanes und ländliches Gebiet.“

Danach stieg die Basler Feuerwehr in den Beschaffungsprozess ein, der Rest ist Geschichte: Vier Hilfeleistungslöschfahrzeuge vom Typ RT wurden bei Rosenbauer bestellt und 2023 in Betrieb genommen. Was einfach klingt und in der Praxis natürlich komplizierter ist, hat am Ende einen einfachen Grund: „Bei diesem Produkt wurden unsere Anforderungen schlicht am besten erfüllt.“

Der RT: „Ein Auto vom Nutzer für den Nutzer.“

Mit der Bedarfsermittlung betraut war die Arbeitsgruppe um Patrick Feuz, 34 Jahre jung und ein echter Basler. Als Gefreiter ist er, wie er selbst sagt „an der Front“, Truppführer, außerdem Feuerwehrinstruktor im Kanton und damit mit der Ausbildung betraut. Er weiß also, worauf es im Einsatz ankommt. Während seines Wirtschaftsingenieurstudiums, das er mit einer Arbeit über „Digitale Transformation in der Berufsfeuerwehr“ abschloss, leitet er zudem seit 2020 auch Projekte vornehmlich im Bereich Fahrzeugbeschaffung. „Wir haben die gesammelten Daten wissenschaftlich aufgearbeitet, aber schlussendlich gab die Mannschaft, die mit dem Fahrzeug ausrückt, die Parameter vor. Wir wollten ein Auto vom Nutzer für den Nutzer.“ Dabei spielten geringe Entnahmehöhen eine Rolle, ein Kabinenlayout, das die Kommunikation untereinander und den Zugriff zur Ausrüstung verbessert sowie nicht zuletzt verringerte Geräuschemissionen. „Ein HLF ist schließlich der Hauptarbeitsplatz für Feuerwehrleute“, ergänzt Kai und macht damit deutlich, dass jede Optimierung hier besonders wertvoll ist und sich Investitionen auf lange Sicht bezahlt machen. Eine Modifikation haben die Basler übrigens selbst vorgenommen: Ein Gestell für kleinere Ausrüstungsgegenstände, z.B. eine Wärmebildkamera, in der Kabine reduziert Entnahmeprozesse weiter. Das Team nennt es ‚Action Tower‘.

Echter Vorteil durch Fahrperformance und Agilität

Doch nicht nur, dass es am Einsatzort durch den E-Antrieb leiser ist und weniger Abgase in die Luft geblasen werden: „In einer Stadt wie Basel ist das Thema Fahrperformance sehr wichtig. Der RT beschleunigt extrem gut, ist zudem kompakt und wendig, was bei den vielen Kreisverkehren und Fahrbahnverengungen wirklich ins Gewicht fällt“, ergänzt Kai – nicht ohne auch zu erwähnen, dass Verbrennungsmotoren für den Feuerwehreinsatz, der direkt nach dem Kaltstart Vollgas verlangt, eigentlich nicht ideal sind.

Wie geht es elektrisch weiter in Basel?

Die Basler Feuerwehr mit ihren rund 100 ausrückenden Einsatzkräften hat neben den vier Hilfeleistungslöschfahrzeugen 2023 noch zwei elektrische Einsatzleitwägen in Betrieb genommen. Nachdem drei Drehleitern von Rosenbauer – zwei Mal davon eine L32 mit Hinterachszusatzlenkung sowie niedrigem Aufbau – aktuell im Dienst sind, wird auch hier eine elektrische Variante für die Höhenrettung in der Praxis geprüft. Ebenso befinden sich acht Mannschaftstransportwagen sowie Logistikfahrzeuge mit E-Antrieb im Test, weitere Projekte sind geplant.

Man sieht, der Mobilitätswandel ist in Basel-Stadt auch bei der Feuerwehr in vollem Gange. Und ganz offensichtlich nicht, weil es eine politische Vorgabe ist, sondern weil die Transformation vom Verbrennungsmotor hin zum E-Antrieb den Einsatzkräften in vielen Bereichen das Leben erleichtert. Und davon profitieren nicht zuletzt auch die, die derer Hilfe bedürfen.

Technische Daten.

  • Fahrzeugbezeichnung: HLF
  • Typ: Hilfeleistungs- und Löschfahrzeug
  • Baureihe: Revolutionary Technology
  • Fahrgestelltyp: Rosenbauer RT Advanced Driveline
  • Antrieb: Elektrisch
  • Besatzung: 1+5
  • Wasser-/Schaumtank: 1.600 l / 200 l
  • Pumpenanlage: Rosenbauer N35
  • Löschleistung: FPN 10-3000
  • Schaumzumischsystem: RFC Admix Variomatic
  • Fahrzeugabmessungen (LxBxH): 7.600 x 2.500 x 3.200 mm
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 18.000 kg

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