Einsatzhygiene in der Praxis.
Verantwortung. Sicherheit. Vertrauen.

In den vergangenen Jahren wurde das Thema Einsatzhygiene immer präsenter, ausgiebiger erforscht und mehr denn je diskutiert. Auch Rosenbauer beschäftigt sich als Hersteller von Schutzkleidung und technischen Geräten intensiv mit diesem vielseitigen Thema. Der Begriff „Hygiene“ bezeichnet dabei die Gesamtheit aller Maßnahmen, die gegen eine Verbreitung von Krankheiten sowie der Erhaltung, Förderung und Festigung der Gesundheit dienen.

Dies betrifft nicht nur den Schutz vor Schadstoffen während des Einsatzes, sondern ebenso den Schutz vor gesundheitsgefährdenden Stoffen nach dem Einsatz. Denn diese können bei Hautkontakt gefährliche Auswirkungen mit sich ziehen und je nach Substanz im menschlichen Körper fortpflanzungsschädigend, erbgutverändernd oder auf sonstige Weise reagieren.

Schadstoffe im Einsatz.

Die allgemeine Verunreinigung von Gegenständen, Räumen, Wasser, Lebensmitteln oder Menschen mit schädlichen Stoffen nennt man Kontamination. Dazu zählen Viren, Mikroorganismen, biologische Gifte sowie radioaktive oder chemische Stoffe. Auch der Brandrauch – eine Mischung aus vielen gasförmigen und festen toxischen Reaktionsprodukten – ist eine ständige Gefahrenquelle. Hier können erhöhte Konzentrationen von Schadstoffen wie Kohlenmonoxid, Cyan- und Chlorwasserstoff, Blau- und Salzsäure, Dioxinen, Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffen (PKA) und andere Substanzen auftreten.

Werden diese Fremdstoffe im Körper aufgenommen, bezeichnet man dies als Inkorporation. Diese können aufgrund verschiedener Umstände selbst mit angelegter PSA durch Einatmen, Schlucken oder über die Haut in den Körper gelangen. Das Ziel der Einsatzhygiene ist es, die Inkorporation und somit das Risiko der Aufnahme von Schadstoffen zu minimieren.

Für die eigene Gesundheit ist deshalb die Dekontamination, also die Entfernung einer oder mehrerer gefährlicher Substanzen von der Oberfläche oder aus den darunterliegenden Schichten, ausschlaggebend. Während PSA, Geräte und Fahrzeuge nach dem Einsatz dekontaminiert werden, bedarf es auch für die Einsatzkräfte einer gründlichen Dusche. Zusätzlich verhindert das Tragen von umluftunabhängigen Atemschutzgeräten das Einatmen und Verschlucken von Schadstoffen im Einsatz.

Maßnahmen vor, in und nach dem Einsatz.

Vorarbeit.

Neben einem umfassenden Hygienekonzept sollten Bereiche definiert werden, wo klar wird, welche Räume nur mit sauberer Dienstkleidung betreten werden dürfen. Zudem sollen Einsatzkräfte zum Thema „Richtiges Anlegen der PSA“ praktisch geschult werden.

Im Einsatz.

Wenn möglich eine kontaminationsarme Einsatztaktik wählen (Lüfter, Außenangriff, Löschlanze) und einen umluftunabhängigen Atemschutz tragen. Auch sollte ein Standardablauf zur Entkleidung der kontaminierten PSA etabliert werden.

Direkt nach dem Einsatz.

Erstreinigung: Nach dem Einsatz Hände, Nacken und Gesicht waschen, erst dann essen oder trinken. Danach schnellstmöglich Duschen und eine Grobreinigung an Geräten und Fahrzeugen durchführen.

Nacharbeit.

Nach dem Einsatz folgt die innere und äußere Feinreinigung von Geräten und Fahrzeugen, die Aufbereitung von Atemschutzgeräten sowie PSA und das Erstellen einer Expositionsdokumentation.

Sauber sein. Gesund bleiben.

Viele Feuerwehren haben bereits einzelne Hygienemaßnahmen oder -prozesse verankert. Auch örtliche Hygienekonzepte, die eine umfassende Betrachtung aller relevanter Bereiche sowie die Zusammenführung und Abstimmung einzelner Maßnahmen unter Berücksichtigung der individuellen Umstände und Gegebenheiten vor Ort vereinen, sind bereits bei vielen Feuerwehren integriert.

Hygienemaßnahmen wie z. B. eine Stiefelwaschanlage, ein Spind mit getrennten Fächern für Einsatz- und Privatkleidung oder Konzepte zur Reinigung und Aufbewahrung der Persönlichen Schutzausrüstung sind dabei wichtige Schritte in die richtige Richtung.

Grundsätzlich ist die kontaminierte PSA nach jedem Einsatz durch geschultes Fachpersonal der Feuerwehr oder einen Dienstleister zu reinigen. Spezielle Industriewaschmaschinen reinigen die textilen PSA-Bestandteile gemäß Herstelleranleitung mit speziellen Waschmitteln in sogenannten Feuerwehrprogrammen, während Helm, Handschuhe und Stiefel in entsprechenden Waschautomaten Platz finden. Nach der Kontrolle auf Beschädigung wird bei Geräten und Kleidungsstücken eine Waschdokumentation erstellt. Anschließend kann die Kleidung als persönliche Ausstattung oder Poolwäsche bereitgestellt werden.